Demokratie und Neue Elite

Der Begriff “Elite” polarisiert.

Es ist schon interessant, wie ein Wort solche heftigen Reaktionen hervorrufen kann:

Das eine Lager schreit laut über “Arroganz und Selbstüberschätzung” und fühlt sich extrem unwohl bei dem Begriff, auch deshalb, weil er das in Demokratien zurecht hochgeschätzte Gleichheitsprinzip zu verletzen scheint.
Das andere Lager ist sofort von dem Begriff eingenommen und akzeptiert ihn mit sicherer Selbstverständlichkeit.

Dabei kann man sich, wenn man nicht genau nachfragt, nie ganz sicher sein, was sich Mitglieder beider Lager unter dem Wort “Elite” denn nun wirklich vorstellen.
Da mein Blog, mit voller Absicht, im Untertitel die Wendung “für die Neue Elite” nutzt, würde ich gerne ein paar Gedanken zum Thema beitragen, die den Neuen Elite-Begriff etwas erhellen.

Der Dirigent Mariss Jansons ist der einzige Chefdirigent von gleich zwei Orchestern, die in einer Rangliste der besten Orchester der Welt des Magazins Gramophone in der Top 10 vertreten sind.
In den 80ern wurde Jansonss dadurch berühmt, dass er das Oslo Philharmonic Orchestra in kurzer Zeit von völliger Unbekanntheit zu internationalem Weltruhm führte.
Zu dieser Phase seines Lebenswerks sagt Janssons:
“Norwegen ist ein sehr demokratisches Land, wo alle Menschen gleich sein müssen. Das ist offensichtlich gut. Aber wenn das heisst, dass es politisch unmöglich ist zu sagen, dass ein Orchester besser ist als ein anderes, auch wenn das offensichtlich ist, dann macht das die Dinge sehr schwierig.”

Und genau an diesem Phänomen setze ich mit meinem Begriff der Neuen Elite an:
Ich bin absolut für den Wert der Gleichheit aller Menschen, aber ich glaube beobachten zu können, dass in westlichen demokratischen Gesellschaften aus dem Prinzip der Gleichheit oft ein ins Extrem geführtes Programm der Gleichmacherei wird, in dem niemand mehr hervorragen darf, weil er dann scheinbar andere benachteiligt.

Unser gesamtes Schulsystem ist darauf angelegt, möglichst gleichartige Schüler zu “produzieren”, die vor allem zwei Dinge können:
Anweisungen folgen und Wissen re-produzieren.
Eigenes Denken und Außergewöhnlichkeit sind nicht gefragt – der beste Schgüler ist der, der tut was ihm gesagt wird und möglichst exakt das wiederholt, was der Lehrer schon weiss.
Ich bin kein Feind umfangreichen Wissens und konventioneller Bildung, aber das aus dieser Art von Beschulung nichts Neues entsteht, sollte niemanden wundern.
Dass es trotz dieses Beschulungstunnels überhaupt außergewöhnliche Menschen und Kreative gibt, wundert dann aber in der Tat.

Und um noch einmal zu Mariss Jansons zurückzukommen: Er hatte 1997 zwei Herzinfakte, einen davon während des Dirigierens. Und es hält sich beständig die Geschichte, dass er, noch während er schon nahezu bewusstlos auf dem Boden lag, noch versuchte weiter zu dirigieren.

Das ist eine sehr extremes, aber gutes Beispiel für das, was ich mit Neue Elite meine:
Das sind die Menschen, die bereit sind, das zu tun, was die Mehrzahl der Menschen nicht bereit ist zu tun.
Das sind Menschen, die trotz des Unbehagens, anders zu sein, sich nicht scheuen, aus der Masse hervorzuragen.
Es sind Menschen, die sich über die Angst vor dem Neuen hinwegsetzen und trotzdem handeln.

Dass ihnen das manchmal als Arroganz ausgelegt wird, ist kaum verwunderlich. Wer seine besonderen Fähigkeiten offen auslebt, wird oft von denen, die es nicht tun, als arrogant erlebt.

Mitglieder der Neuen Elite sind aber nicht arrogant in dem Sinne, dass sie andere Menschen verachten – ganz im Gegenteil:
Sie schätzen den Wert eines Menschen viel höher ein, als es die Gleichmacherei jemals könnte, weil sie aus eigener Erfahrung um den unersetzbaren individuellen Kern jedes Menschen wissen.

Die Neue Elite will auch nicht bestreiten, dass das Gleichheitsprinzip und die Demokatie eine der wichtigsten Errungenschaften menschlicher Kultur ist – ganz im Gegenteil:
Das Gleichheitsprinzip sorgt im Idealfall für die gleichen Rechte und gleichen Chancen jedes Einzelnen.

(Wobei die Schattenseiten des Gleichheitsprinzip auch gerne ignoriert werden:

Nehmen wir zum Beispiel den Aufstieg der Internet-Foren und Social Media, in denen z.B. die Meinungsfreiheit offener ausgelebt werden kann als je zuvor in der menschlichen Geschichte. Unbestreitbar liegen hier große und oft noch ungenutzte Chancen des Austauschs, der Vernetzung, der Kooperation.

Die dunkle Seite dieser Meinungsfreiheit dürfte vor einigen Wochen der Biologe Richard Dawkins auf seinem Forum erleben:
Da brach ein eruptionsartg ein Strom persönlicher Beleidigungen hervor, die alle möglichen Ausdrücke der Fäkalsprache bis hin zu folgender Formulierung beinhalteten ”Ich habe einen plötzlichen Drang, ihnen eine Hand voll Nägel in den Rachen zu rammen.”

Ich habe das selbst bei einer XING-Dískussion erlebt, auf die hin ich so nette emails wie “Du Wichser” von Trainerkollegen bekam…

Ich persönlich halte eine solche Art der Diskussion und Meinungsäußerung weder für “Diskussion” noch Äußerung von “Meinung”, sondern nur für die öffentliche Verlautbarung selektiver Dummheit und Ausdruck psychologischer Schäden.
Mir scheint überhaupt, dass die Fähigkeit zu respektvoller Diskussion auch bei völliger Meinungsverschiedenheit etwas Elitäres geworden ist, zu dem immer weniger Menschen in der Lage oder willens scheinen.)

Ich meine also mit der Fomulierung “Neue Elite” ein vollkommen arroganzfreies Phänomen:

Ich glaube, dass sich das Zeitalter der Gleichmacherei und der blossen Reproduktion, wie es seit der Erfindung der Fabrik vorherrscht, dem Ende zuneigt.
Ich glaube, dass blosses “Anpassen” und “die Anforderungen erfüllen” oft nicht mehr genügt.
Ich glaube, dass heute mehr Menschen als je zuvor die Chance haben, mit ihrer individuellen Authentizität einen wertvollen Beitrag zu Arbeit und Gesellschaft zu leisten und damit produktiver, erfolgreicher und glücklicher sein zu können.

Die “Neue Elite”, dass sind Menschen, die sich auf diesen Weg machen:

Menschen, die durch ihre individuellen Talente und Fähigkeiten glänzen.

Menschen, die sich nicht scheuen zu denken, echtes Mitgefühl zu entwickeln und durch ihre Authentizität zu provozieren.

Menschen, die sich auf menschliche Beziehungen einlassen können.

Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen.

Menschen, die leidenschaftlich für Veränderung und Verbesserung eintreten.

Menschen, die einen Unterschied machen.

Und Menschen, die, wenn es keinen Weg gibt, einen Weg finden.

Alles Liebe & Beste

                 Niels Koschoreck

Sei Du Selbst. Nur besser.

P.S.: Lust auf Neue Elite?  Wir können gemeinsam daran arbeiten: http://www.coaching-ausbildung-nlp.de

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One Response to “Demokratie und Neue Elite”

  • Joachim Wagenhäuser on April 14, 2010

    Vielen Dank für diesen differenzierten und mir aus der Seele sprechenden Artikel! Nette Grüße, Joachim

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