Coaching aus integraler Sicht

Aus integraler Perspektive gibt es mindestens 4 fundamentale Ansätze im Bereich Coaching.

Alle diese Ansätze sind richtig und berechtigt und “wahr”, aber zugleich ist die Reduktion auf nur einen dieser Ansätze unzulänglich bzw. partiell.

Der Einfachheit halber benenne ich die 4 fundamentalen Ansätze wie folgt:
Fokus auf subjektives Erleben, Fokus auf Verhalten, Fokus auf Beziehung und Kommunikation, Fokus auf Systeme und Organisationsstrukturen.

Fokus auf subjektives Erleben

Coaches, deren Hauptfokus auf dem subjektiven Erleben des Klienten liegt, versuchen Veränderung vor allem über die Veränderung des Denkens und Fühlens des Klienten zu erzielen.
In der Coaching-Sitzung werden verschiedenste Perspektiven ausprobiert, Denkstrukturen und Glaubenssätze beleuchtet und verändert, Gefühlsgewohnheiten angegangen.

Man verlässt sich auch oft auf die innere Weisheit des Klienten, die es (wieder) zu entdecken gilt – z.B. die Weisheit des Unbewussten – und die subjektive Wahrheit des Klienten gilt oft als “unantastbar”, weswegen Vertreter dieser Richtung meistens gegen jede direkte Einflussnahme des Coaches argumentieren, denn Interpretationen des Coaches kommen von aussen und “stören” so die subjektive Welt des Klienten.

Fokus auf Verhalten

Der Fokus auf Verhalten ist ein aktionsorientierter Ansatz in dem es darum geht, neue Handlunsgweisen zu entwickeln, aktiv zu werden, Ziele zu setzen, zu planen und umzusetzen.
Es geht um die Veränderung von sichtbaren und messbaren Handlungsweisen, um “massives Tun”.

Der Coach unterstützt hier seinen Klienten beim Setzen von Zielen und Umsetzung ins konkrete Handeln.
Er fungiert oft als die Instanz, der von dem Klienten Rechenschaft über sein Handeln einfordert, im Sinne von “Hast Du auch genug getan?”.
Auch sorgt der Coach im Rahmen dieser Herangehesweise sehr oft für eine Dosis Motivation von Aussen, nach “Zuckerbrot und Peitsche”-Prinzip.

Fokus auf Beziehung und Kommunikation

Dieser Fokus sieht Veränderungschancen vor allem in dem Feedback durch andere Menschen, dem Beleuchten des Beziehungsgeflechtes des Klienten und dem Verständnis zwischenmenschlicher Kommunikationsstrukturen.
Im Gegensatz zum Fokus auf subjektives Erleben gelten hier die Meinungen und Perspektiven anderer (und des Coaches) als wertvolle Quellen von Feedback.

Coaches, die hauptsächlich mit dieser Herangehensweise arbeiten, betonen die Wahrheit des Gesprächs und den Gewinn des intersubjektiven Austauschs.
Sie legen Wert auf die Arbeit an der Gestaltung von Beziehungen und dem Verständnis dessen, was in der Kommunikation zwischen zwei oder mehr Menschen abläuft.

Fokus auf Systeme und Organisationsstrukturen

Diese Herangehensweise fokussiert vor allem auf die äußeren und objektivierbaren Aspekte der Systeme und Organisationen, in denen sich ein Klient bewegt.
Es werden z.B. Teamstrukturen und Hierarchien beleuchtet, operationelle Verfahrensweisen und Prozesse analysiert, Rollen und Funktionen innerhalb der jeweils relevanten Systeme berücksichtigt.

Der Coach, welcher v.a. aus dieser Perspektive heraus arbeitet untertützt seinen Klienten dabei, sich besser in dem betreffenden System zurechtzufinden, zu sehen was innerhalb des Rahmens möglich und unmöglich ist, und effizienter innerhalb des jeweiligen Rahmens funktionieren zu können – oder hilft dem Klienten auch dabei, einen Rahmen zu finden, in dem es ihm leichter fällt, sich optimal einzubringen.

Die integrale Perspektive auf Coaching

Eine integrale Sicht auf Coaching einzunehmen heisst nun zum einen, den Wahrheitsgehalt aller dieser Herangehensweisen zu bestätigen und gleichzeitig dessen gewahr zu sein, dass eine Überbetonung einer dieser Perspektiven ihre Schattenseiten mit sich bringt.

Alle genannten fundamentalen Herangehensweisen sind effektiv und berechtigt, alle Perspektiven zeigen wichtige Möglichkeiten auf, die es innerhalb eines Coachings zu nutzen gilt.

Die Schattenseite einer Überbetonung des subjektiven Ansatzes aber können z.B. extremer Narzissmus und Feedbackresistenz sein.

Die Schattenseite des aktionsorientierten Ansatzes ist oft ein Mangel an Reflexion, eine übermäßige Abhängigkeit von Motivationsschüben durch den Coach oder eine Entfremdung von inneren Gefühlen und Bedürfnissen.

Die Schattenseite eines beziehungsorientierten Ansatzes kann ein Mangel an Selbstbestimmung zugunsten von Kompromissen sein oder eine Überinterpretieren der Kommunikation(en) anderer.

Die Schattenseite eines starken Organisationsfokus kann in verschiedenen Formen unreflektierten Konformismus und einem Mangel an Berücksichtigung eigener Bedürfnisse bestehen.

Ein wirklich integraler Ansatz im Coaching nutzt alle 4 fundamentalen Herangehensweisen je nach individueller Situation des Klienten in gleichem Maße und kann dadurch flexibel sowohl ihre Stärken nutzen als auch ihre Schattenseiten ausgleichen.

Alles Liebe

Niels Koschoreck

P.S.: Erfahre mehr über den integralen Ansatz im Bezug auf Veränderung auf der integralen NLP-Practitioner Ausbildung!

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